Lange ist es her. Der letzte Eintrag ist fast 2 Monate alt und es hat sich einiges getan. Details zur Geburt werde ich nicht ausplaudern, nur so viel: Er ist da! Seit dem 7. Oktober.



Dies wird ein längerer Eintragzyklus. Ich behandle in mehreren Teilen die Themen: Ich (Mann) bei der Geburt, erste Stunden und Tage mit dem Wurm und aktuelle Gedanken.



Ich bei der Geburt

Zusammenfassend: ... WOW! Zu erst einmal: Ja, es ist ein besonderes Erlebnis. Warum aber? Nun, in der Natur der Sache liegt nun einmal die Tatsache, dass man als Mann im Kreißsaal auf den ersten Blick überhaupt nicht hilfreich ist. Die eigene Frau hat bestialische Schmerzen und man kann einfach nichts dagegen tun. Man versucht zu beruhigen und die hält die Hand der Frau, um ihr irgendwie die Wehe zu erleichtern. Das tut es aber nicht. Man selbst sitzt da, schaut auf das CTG und sieht die Wehen sogar ankommen und sagt Sachen wie: "Achtung Wehe!". Super. Darauf wäre die Frau sicherlich nicht von allein gekommen. Ab und zu reicht man Trinken und kleine Snacks, um sie zu stärken.



Im Kreißsaal selbst wird es nicht besser, im Gegenteil. Die Frau, die man vom ganzen Herzen liebt erleidet den schlimmsten Schmerz ihres Lebens und alles was man selbst tun kann, um ihr zu helfen, ist es ihre Hand zu drücken und laut mit ihr die Bauchatmung zu vollziehen. Hilft auch nicht wirklich. Als Mann hab ich mich total hilflos gefühlt. Obwohl ich meine Frau seit nunmehr 6 Jahren kenne, hat es mir doch das Herz zerrissen, sie so leiden zu sehen, ohne dass ich was tun konnte. Das sollte man auf jeden Fall nicht unterschätzen. Wer seine Frau nicht extrem leiden sehen kann, und das über Stunden, sollte sich überlegen, ob er wirklich dabei sein will.



In der Pressphase angekommen geht es nochmal richtig zur Sache. Alle Hemmungen fallen, was mir aber bekannt war, zumindest theoretisch. Meine Frau, inzwischen total erschöpft (weil 22h wach) hat Angst, dass sie es nicht mehr schafft den Kleinen raus zupressen. In ihrem Delirium allerdings bemerkt sie gar nicht, dass es schon fast geschafft ist. Sehr schmerzhafte Schreie, die ich so auch nicht erwartet hatte und die auch bei weitem nicht die lautesten auf der Station waren, lassen einen doch ganz anders werden. In die Ecke gekauert sitze ich also da und beobachtet wie eine Fachärztin auf meiner Frau hockt, das Baby nach unten drückend, während die Hebamme im lauten Ton verkündet: "Das geht noch besser! Los! Da müssen Sie mehr rausholen aus der Wehe!!". Völlig unfähig sich auch nur zu räuspern wartete ich daher auf meinem Stuhl, bis der Kleine auf einmal da war.



Es klingt vielleicht so, als ob ich nicht gerne dabei gewesen bin, aber das ist überhaupt nicht der Fall. Es ist nur ganz anders als man es sich vorgestellt hat. Man ist nur da, um seelische Unterstützung zu liefern. Man hilft nicht wirklich. Alles ist aber vergessen sobald man das Kind sieht, seinen eigenen Sohn. Weniger blutverschmiert als angenommen liegt er buchstäblich frisch geschlüpft auf dem Bett. Schaut wild um sich und beginnt zu schreien und man hört sein zartes Stimmchen. Wunderbar! Ich kann mir nicht vorstellen, dass man diesen Moment verpassen möchte, auch wenn es ein Tanz zwischen Angst, Hilflosigkeit und unendlichem Glück ist.



Ich möchte es schon mal vorwegnehmen. Das unendliche Glück, also die Freude über den Nachwuchs, hielt bei mir – in dieser Intensität – nicht lange an. Mehr dazu im nächsten Eintrag.